Mittwoch, 7. Februar 2007

Geht der Ton nach hinten?

Es begann mit einer harmlosen technischen Fragestellung abends um 20 Uhr auf dem Weg nach Ofterdingen, ging über in eine experimentelle Beobachtung beim Auftritt gegen 22:30 Uhr und endete in einem künstlerischen und nahezu philosophischen Erguss in Wort und Bild gegen 05:00 Uhr. Doch jetzt erst mal alles langsam von vorn:

Unser Nasenbär alias Steffen Kienzle richtete auf der Fahrt nach Ofterdingen an Marcus Philipp die Frage, ob der Ton bei Beautys Tenorhorn eigentlich nach vorne, nach oben oder nach hinten weggeht. Obwohl Marcus als Experte für diese Instrumentengattung internationales Ansehen genießt (sogar in Nufringen schwärmen einige von seinen Spielkünsten), verstand er weder, was die Frage sollte, noch wusste er, was er darauf antworten könnte. Und so musste Steffen uns aufklären, wie er zu dieser Frage kam.

Und er erklärte es uns sinngemäß ungefähr in etwa so:
Das Tenorhorn an sich ist so gebaut, dass der Ton nach oben, evtl . ein wenig nach vorne den Trichter verlässt, um so die Zuhörer - meistens vor dem Spieler positioniert - zu erreichen. Gleichzeitig ist das Tenorhorn aber auch so konstruiert worden, dass seine Lage bzw. Orientierung im Raum durch die Berührpunkte Mundstück-Mund (oben) und Rohrgedöns-Oberkörper (unten) definiert ist. Diese Punkte sorgen bei einem gerade sitzenden oder stehenden Menschen dazu, dass das Instrument auch senkrecht nach oben orietiert ist und der Ton somit den vorgesehenen Weg nehmen kann.
Beim Beauty sieht das Ganz wegen eines leichten Bauchansatzes aber etwas anders aus. Der Mund ist zwar da, wo er hingehört, der Bauch allerdings verlagert den unteren Berührungspunkt Rohrgedöns-Oberkörper nach vorne, was die Orientierung des Instruments so verändert, dass der Trichter plötzlich nach hinten zeigt und somit der Ton auch einen nicht wirklich empfehlenswerten Weg weg vom Zuhörer nimmt.

Natürlich war uns nach dieser Erläuterung das Problem schlagartig klar und wir beschlossen gegebene Problematik bei einem Experiment zu untersuchen. Hierfür bot sich der nahende Auftritt an, bei dem der Probant Beauty ja eigentlich gerade stehend spielen müsste.

Gesagt - getan. Beauty wurde beim Auftritt von Steffen ausführlichst beobachtet und er gewann eine klare Erkenntnis: Beauty hat eine ausgefeilte Technik entwickelt und schafft es somit den Ton trotz der verrückten Berührungspunkte nach vorne erklingen zu lassen. Aber wie er das machte, konnten wir bildlich nicht festhalten.

Doch wie sich der Steffen das mit dem Beauty und seinem Tenorhorn so vorgestellt hatte, hat er mir liebenswürdigerweise, nachdem wir in Mönchber aus der Halle gekehrt worden waren und daheim noch ein gemütliches Woiza verhaftet hatten, bildlich innerhalb des philosophischen Ergusses auf einem handelsüblich DIN A4 - Blatt aus Papier dargestellt. Und natürlich soll auch euch das Meisterwerk nicht vorenthalten werden. Die unsaubere Handschrift sei dem Ersteller der Zeichnung zu verzeihen, denn es war schon reichlich spät geworden...